EU-Förderung für gemeinnützige Kulturprojekte und Netzwerke in Gefahr

 Culture Action Europe fordert die nachhaltige Sicherung der Arbeit des Non-Profit Sektors in der Kultur. In der Erklärung vom 15. November heißt es, dass die Anwendung der neu entwickelten Regeln für die Finanzbewertung in den Förderprogrammen der EU „aktiv verhindert, dass Organisationen im Kultur- und Kreativsektor Zugang zu EU-Mitteln erhalten – insbesondere in bestimmten EU-Ländern, in denen nationale Vorschriften es gemeinnützigen Organisationen nicht erlauben, finanzielle Rücklagen Reserven zu halten, die von der EU als finanziell „stark“ eingestuft werden.“ Ein beträchtlicher Teil der Kooperationsprojekte und europäischen Netzwerke gefährdet sei damit gefährdet.

Nach der Einführung einer neuen Bewertungsmatrix für die Finanzkraft von Kulturorganisationen im Jahr 2018 wurden in diesem Jahr 27 Organisationen, die für kleine und große Kooperationsprojekte des Programms Creative Europe ausgewählt wurden, als „finanziell schwach“ eingestuft und informiert, dass sie für ihre Projekte keine Vorauszahlung erhalten würden, es sei denn, sie könnten eine Bank- oder Drittmittelgarantie vorlegen.

Der europäische Kultursektor besteht in erster Linie aus gemeinnützigen kleinen und mittleren Unternehmen und leistet einen starken Beitrag zu jeder Priorität der EU-Agenda 2019-2024. Gemeinnützige Kulturorganisationen nehmen eine Schlüsselposition ein bei der nachhaltige Entwicklung einer diversen und inklusiven Europäischen Gesellschaft.

CAE fordert die Einsetzung einer Klausel gemäß  der Verordnung Nr. 1288/2013 zur Einführung von Erasmus+, Artikel 19.3  in alle künftigen Programme im Bereich Kultur, Bildung, Innovation, Jugend und Sport: „Neben öffentlichen Einrichtungen und Hochschuleinrichtungen gelten Organisationen in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport, die in den letzten zwei Jahren mehr als 50 % ihrer jährlichen Einnahmen aus öffentlichen Quellen erhalten haben, als Organisationen, die über die erforderlichen finanziellen, beruflichen und administrativen Kapazitäten verfügen, um Tätigkeiten im Rahmen des Programms durchzuführen“.

Die Bewertung der Finanzkraft für antragstellende Organisationen muss dahingehend überarbeitet werden, dass die EU-Förderprogramme allen Kulturakteuren in Europa zugänglich bleiben.

Zum CAE Statement

„Culture Crops – Cultural Practices in Non-Urban Territories“ Culture Action Europe Konferenz

Vom 23. – 26. Oktober 2019 fand an der deutsch-schweizerischen Grenze in Konstanz und in Kreuzlingen die Culture Action Europe Jahreskonferenz „Culture Crops – Cultural Practices in Non-Urban Territories“ statt. 170 Teilnehmer*innen aus ganz Europa debattierten über Kulturarbeit im ländlichen Raum und in der so genannten Peripherie: Wo beginnt und wo endet das Ländliche? Wie ist die künstlerische und kulturelle Arbeit in Randgebieten organisiert? Welche Diskrepanz besteht zwischen einer städtischen Vision des Ländlichen und der ländlichen Realität heutzutage? Hier finden Sie das umfangreiche Programm der Konferenz (auf Englisch).

Das ungewöhnliche Format mit gemeinsamen Wanderungen und Fahrten zu Kulturorten in Konstanz und Kreuzlingen und in die Umgebung – so zum Beispiel Kunstraum Kreuzlingen, Stadtbibliothek und Stadttheater Konstanz, Kartause Ittingen, Transitorisches Museum zu Pfyn, Haus zur Glocke u.v.w. – förderte den Austausch unter den Teilnehmer*innen besonders gut. Direkt im Anschluss an die jeweiligen Besuche diskutierten die lokalen Kultur-Gastgeber*innen mit ganz vergleichbaren Projekten aus anderen Regionen Europas ihre Herausforderungen in der täglichen Arbeit, sowie ihre Fragen und Wünsche an die politischen Akteure in der Europäischen Union. In einer „Project-Agora“ präsentierten sich darüber hinaus 26 weitere Projekte aus dem ländlichen Raum Europas.

Dem Abschlusspanel der Konferenz gaben die Teilnehmer*innen aus ihren Gesprächen und Workshops bereits einige Thesen mit:

  • Die Stimme des ländlichen Raums sollte auf EU-Ebene mehr gehört werden und vertreten sein. Gleichzeitig braucht es einen stärkeren Austausch des Kultursektors mit dazu bereits existierenden Gremien und Organen, wie zum Beispiel dem Europäischen Ausschuss der Regionen.
  • Zwischen EU-Kulturpolitik bzw. den entsprechenden Programmen einerseits und den einzelnen Strängen der EU-Kohäsionspolitik andererseits müssen stärkere Verbindungen geschaffen werden, um neue Querschnittsmaßnahmen zu entwickeln.
  • Um nachhaltige Gemeinschaften in nicht-städtischen Gebieten zu fördern und zu unterstützen, sollten kulturelle Praktiken einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen (territorial, kulturell, menschlich, wirtschaftlich), der die Autonomie der Gemeinschaft berücksichtigt, Motivation und Selbstermächtigung fördert, und sich der lokalen Werte vor Ort bewusst ist.
  • Dafür muss auch die EU-Kulturpolitik hinsichtlich ihrer Zugangsvoraussetzungen angepasst und breiter aufgestellt werden, wie zum Beispiel bei der Skalierung von Programmen, den Evaluationskriterien, dem Aufbau von Kapazitäten und bei einzelnen Schritten im Antragsprozess. Nur so können die Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen und der Rückstand der am stärksten benachteiligten – meist ländlichen – Gebiete verringert werden und so wird ein wirtschaftlicher, sozialer und territorialer Zusammenhalt gefördert, wie es auch das Ziel der EU-Kohäsionspolitik ist.
  • Wir wollen, dass es unter ländlichen Gebieten in Europa einfacher ist, sich auszutauschen, Verbindungen zu suchen, Informationen zu finden und auch kulturelle und kreative Praktiken zu teilen. Dazu gehört das Sammeln von Wissen und Daten, die Erhaltung und Weitergabe von traditionellem Know-how, die Entwicklung von transsektoralen und langfristigen Maßnahmen und die Ermöglichung einer Handlungsfähigkeit bottom-up: von lokal zu global.

Diese Thesen und weitere Konferenzergebnisse werden in den nächsten Wochen in ein Forderungspapier von Culture Action Europe eingearbeitet und zusammen mit der Dokumentation der Konferenz auf der Website von Culture Action Europe veröffentlicht.

Wo ist die Kultur in Von der Leyens neuer Kommission?

Unmittelbar nach der Vorstellung der LIste der neuen EU-Kommissare am 11. September erklärte Culture Action Europe: „Innerhalb der 26 Titel, die die Kommissionspräsidentin vorgeschlagen hat, ist die Kultur als solche verschwunden. Von der Leyen will die Kommissarin Mariya Gabriel, ehemalig zuständig für Digitalisierung, mit der Generaldirektion Forschung und Innovation sowie der Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur beauftragen. Weder Kultur noch Forschung und Lehre findet sich im Titel ihres neuen Ressorts ‚Innovation und Jugend‘ wieder.“

„Ich selbst und der gesamte Kultursektor sind sehr besorgt über die latente Herabstufung der Kultur“ erklärte Robert Manchin, Präsident von Culture Action Europe.

Culture Action Europe setzt sich seit über einem Jahr und besonders im Umfeld der Europawahlen mit einer Kampagne dafür ein, die Kultur in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte und Entscheidungsfindung zu stellen und die Einbeziehung des  Beitrags der Kultur zu den verschiedenen Politikbereichen zu fordern.

CAE fordert mit einem offenen Brief und einer online petition die Rückkehr der Kultur in die Ressorts der Kommission.

Culture Crops. Cultural Practices in non-urban territories

Die 2019er Culture Action Europe-Jahreskonferenz Culture Crops: cultural practices in non-urban territories vom 23.-26. Oktober 2019 in Konstanz/Kreuzlingen fokussiert auf kulturelle Praxis im nicht-urbanen Raum, in der so genannten Peripherie und an den Übergängen.

Was ist der Unterschied zwischen städtischen Visionen des Ländlichen und dem, was das Ländliche heute ist? Wo beginnt und wo endet der ländliche Raum und wie ist Kulturarbeit vor Ort organisiert? Was sind die Bedürfnisse von Kulturarbeitern, die ausserhalb von Metropolen operieren und wie lässt sich voneinander lernen? Welche Rahmenbedingungen auf nationalen, regionalen und der europäischen Ebene braucht es in der Kulturpolitik um künstlerische Praxis im ländlichen Raum zu ermöglichen?

  • Dynamik & Organisation: Wie findet Kulturarbeit in so genannten Randgebieten statt und wie ist sie organisiert?
  • Stadt-Land-Diskrepanzen: Was ist der Unterschied zwischen städtischen Visionen des Ländlichen und dem, was das Ländliche heute ist?
  • Verschwommene Grenzen: Wo beginnt und wo endet der ländliche Raum?

Culture Crops: cultural practices in non-urban territories ist die Konferenz on-the-road: auf gemeinsamen thematischen Ausflügen vor Ort erleben die bis zu 200 Teilnehmer*innen die vielfältige Arbeit von Kulturschaffenden aus der Region. Ziel sind thematische Diskussionen zwischen vergleichbaren regional orientierten Projekten aus anderen Teilen Europas und die Gelegenheit von einander zu lernen und sich direkt auszutauschen. Die Konferenz findet auf Englisch statt.

Mehr Informationen, Konzept und das vorläufige Programm auf der „Culture Crops“-Konferenzwebsite.

Noch bis zum 13. September ist eine Registrierung zum „Early-Bird“-Tarif möglich!


Open Call for Projects!

Für die „Culture Crops-Agora“, als Teil der mehrtägigen Veranstaltung, werden regionale und europäische Projekte gesucht, die abseits von Städten agieren. Ziel des informellen Forums ist es, verschiedene Perspektiven aus den Bereichen der Kunst, des kulturellen Erbes, der Landwirtschaft, aus Politik, Wissenschaft und (Umwelt-/politischem)Aktivismus etc. aus Deutschland, der Schweiz und aus ganz Europa zusammenzubringen und zu vernetzen.

Hier finden Sie auf der Konferenzwebsite weitere Informationen zum Call, die Bedingungen und einen Link zur digitalen Einreichung von Ideen, wir freuen uns über Vorschläge bis zum 22. Juli 2019!

Credits BTO Website

CAE Members Forum in Brüssel

Am 21. und 22. März 2019 fand in Brüssel das Culture Action Europe (CAE) Members Forum statt. Mit Blick auf die Europawahlen tauschten sich die Mitglieder zu ihren regionalen Umsetzungen der CAE-Europawahlkampagne aus. Gemeinsames Ziel ist die bestmögliche Positionierung kultureller Belange in einem neuen EU-Parlament ab dem zweiten Halbjahr 2019.

Ebenso wurden Vorstellungen und Wünsche für das neue EU Creative Europe Programm nach 2020 diskutiert. Parallel zu den Verhandlungen für den neuen Mehrjährigen Finanzrahmen der EU 2021-2027 werden auch die einzelnen Programme der EU neu aufgestellt. Das Thema Mobilität von Kulturschaffenden erfuhr hier eine besondere Unterstützung sowie die Forderung einer angemessenen Definition und Positionierung von kultureller Bildung in den finalen Entwürfen des neuen Creative Europe Programms.

Eine weitere Rolle spielten strukturelle Fragen von Culture Action Europe. Diskutiert wurde die interne Vernetzung in thematischen oder regionalen Arbeitsgruppen, den so genannten „Hubs“.  Der CAE-Vorstand stellte weiter das aktuelle Culture Action Europe Strategiepapier vor mit den thematischen Schwerpunkten:

  • Neuausrichtung der für den Kulturbereich relevanten EU-Programme und der Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen der EU 2021-2027
  • Arbeitsbedingungen im Kultursektor in Europa, mit besonderem Augenmerk auf die Einkommensbedingungen sowie die soziale Absicherung von Künstler*innen und auf die Voraussetzungen für die internationale Mobilität von Kulturschaffenden in Europa und darüber hinaus.
  • Meinungsfreiheit und kulturelle Rechte, mit der Ausarbeitung der gesetzlichen Rahmenbedingungen hierzu auf den nationalen Ebenen sowie entsprechender Regelungen auf EU-Ebene.
  • Künstlerische und kulturelle Forschung, insbesondere die so genannten STEAM-Practices, die für Science, Technology, Engineering, Arts and Mathematics stehen, und den Mehrwert  heutiger künstlerischer Praktiken für den Bereich Forschung und Entwicklung nach vorne stellen.

Auch erste Planungen für die CAE-Jahreskonferenz Beyond the Obvious wurden vorgestellt, welche vom 23. bis 26. Oktober 2019 an der deutsch-schweizerischen Grenze bei Konstanz/ Kreuzlingen stattfindet.

 

Europawahl 2019: Kein Europa ohne Kultur!

Im Hinblick auf die Kandidaturen für die Europawahlen appelliert Culture Action Europe an alle politischen Parteien, Kandidaten mit Kulturbewusstsein zu nominieren und die grundlegende Rolle der Kultur für den Fortschritt der Europäischen Union in ihren Programmen anzuerkennen, einschließlich einer klaren Definition ihrer strategischen Leitlinien für die EU-Kulturpolitik. Die CAE Mitglieder fordern die Kandidaten auf, sich zur Verteidigung der Freiheit der künstlerischen und kulturellen Meinungsäußerung und der kulturellen Rechte, zu verpflichten und die kulturelle Vielfalt als grundlegenden Bestandteil der europäischen Gesellschaften mit Nachdruck zu unterstützen. Der Aufruf ist hier nachzulesen.